Das Internet vergisst nie. Manche lernen das auf die harte Tour, wenn sie versuchen, die Fotos vom Saufgelage, unbeherrschte Kommentare und persönliche Informationen, die veröffentlicht wurden und sich immer weiter ausbreiten, wieder aus dem Netz zu entfernen. Aber was für manche ein Fluch, ist für andere ein Segen, und der vernetzte Autor wird schnell feststellen, dass ein scheinbar endlos großer Online-Speicher, der an jedem Internetrechner zur Verfügung steht, genau das richtige sein kann, um Ideen und Gedanken zu sortieren, zu organisieren und neu zu verknüpfen.
Hier sind einige Angebote, die ich in der Vergangenheit benutzt habe und zum Teil immer noch benutze:
Wridea, ein Dienst zum Speichern und Kategorisieren von Ideen, ist mit einer umfangreichen Überarbeitung dieses Jahr einer zweijährigen Betaphase entwachsen. Ideen können schnell mit Hilfe des klaren und übersichtlichen Interfaces eingegeben oder per Email eingeschickt werden. Seiten und Kategorien helfen dabei, den Inhalt zu organisieren. Sowohl einzelne Ideen als auch ganze Seiten können mit einen festgelegten Nutzerkreis oder der ganzen Wridea-Community geteilt und für Kommentare geöffnet werden. Die ‘idea rain’-Funtkion lässt die Ideen einer Seite am Bildschirm vorbeiregnen, wodurch die Ideen neu kombiniert werden. Auch wenn sie mehr ein Gimmick ist, kann sie dabei helfen, ungewöhnliche Verknüpfungen zu erkennen und neue Ideen zu generieren. Wer Programmierkenntnisse hat, kann über das api auch eigene Tools erschaffen, um die Daten beliebig zu manipulieren. Der englische Dienst ist kostenlos.
Evernote. Auf den ersten Blick wirkt Evernote wie ein aufgemotztes Notizbuch, aber es kann sich mit ein paar ungewöhnlichen Funktionen vom Rest absetzen. Zunächst einmal lassen sich hier nicht nur Textnotizen erstellen, sondern auch Bilder, Audiodateien und allerlei weitere Dokumentformate zwecks Archivierung hochladen. Ein Webclipper erlaubt dem Nutzer, ganze Webseiten oder Teile davon im Originalformat ins Notizbuch zu übertragen. Der eigentliche Clou: Evernote indexiert alle Notizen, so dass sie leichter zu finden sind. Das gilt nicht nur für PDF-Dokumente, sondern auch für Bilder. Sogar die meisten handgeschriebenen Texte auf Fotos erkennt die Software und fügt sie dem Index hinzu – ziemlich beeindruckend. Einmal in der Datenbank angelegt lassen sich die Notizen in verschiedene Notizbücher sortieren, mit Tags versehen und vielfältig bearbeiten. Außerdem lassen sich die Online-Notizbücher mit einer kostenlos erhältlichen Desktopversion für PC oder Mac synchronisieren, eine mobile Version der Anwendung gibt es ebenfalls für WinMo und das iPhone. Evernote ist in der auf 40 MB Datenübertragung pro Monat limitierten Basisversion kostenlos, ein Premiumzugang, der das Limit auf 500 MB/Monat erhöht, kostet $5/Monat oder $45/Jahr.
Google Docs. Ich bin Nutzer von Google Docs seit es noch die kollaborative Textverarbeitung eines kleinen Startups namens Writely war. Die Grundfunktion ist erhalten geblieben, Google hat allerdings einige Funktionen hinzugefügt und den Look an Microsofts Word und Open Office angepasst. Sehr viel mehr gibt es dazu auch gar nicht zu sagen. Allerdings kann es durchaus nützlich sein, eine Textverarbeitung und alle seine Daten überall zur Verfügung stehen zu haben und das Editieren von Texten mit mehreren Autoren in Echtzeit ist für Teamarbeit äußerst nützlich. Neue Versionen werden automatisch gespeichert und man kann jederzeit zu einer früheren Version zurückkehren. Wer eine Abneigung gegen Googles datenhungrige Server hat, für den ist Zoho Writer eine gute Alternative. Beide Dienste unterscheiden sich kaum im Funktionsumfang und kosten auch das gleiche: Nichts.
Backpack unterscheidet sich ein wenig vom Rest, denn im Prinzip kann es jedes von ihnen sein und noch viel mehr. Backpack wird von 37signals als Intranet-Lösung für Firmen angepriesen aber es kann für den alleinarbeitenden Autor genauso wertvoll sein, denn, vereinfacht gesagt, Backpack ist, was man möchte, das es ist. Vom einfachen Speichern von Ideenschnipseln über die Ausarbeitung von Texten bis zu komplexen Onlinekooperationen, alles ist möglich. Backpack organisiert Daten auf Seiten, die mit einer beliebigen Anzahl Notizen, To-Do-Listen, Bildergallerien, Dateien und Writeboards gefüllt werden können. Man kann mehrere Seiten erstellen und die Seiten in Abschnitte unterteilen, um die Daten weiter zu kategorisieren, und kann diese per Drag-and-Drop leicht neu zusammenstellen. Seiten können mit anderen Kontonutzern oder per Emaileinladung mit anderen zusammen bearbeitet oder als normale Internetseite veröffentlicht werden. Die kostenlose Version ist auf einen Benutzer und fünf Seiten sowie nur eine Auswahl an Funktionen limitiert, die aber für Autoren in der Regel zunächst ausreichen. Die Bezahlversionen kosten zwischen $7 und $149 pro Monat und enthalten neben den Basisfunktionen auch einen Gruppenkalender, Speicherplatz für Bilder und sonstige Dateien sowie in den höherpreisigen Versionen auch eine SSL-Verschlüsselung. Die Menge an Benutzern, Seiten und Speicherplatz nimmt ebenfalls zu.
Wie ich eingangs schon schrieb, habe ich all diese Dienste in der Vergangenheit aktiv genutzt. Inzwischen beschränke ich mich auf Evernote für schnelle Erinnerungsschnappschüsse mit dem Handy und einen bezahlten Backpack-Zugang für den Rest. Dort habe ich eine allgemeine ‘Ideen’-Seite, wo ich Ideen und Textschnipsel sammle. Sobald ein Projekt größere Ausmaße annimmt, bekommt es eine eigene Seite, auf die alle relevanten Informationen geschoben werden, die dann von dort weiter ausgearbeitet werden. Bis vor kurzem habe ich zusätzlich ein Programm namens Satchel benutzt, um von unterwegs auf mein Backpack zuzugreifen und habe mit meinem Palm Treo sogar komplette Präsentationen und einen halben Roman beim Pendeln geschrieben. Seit ich auf ein iPhone umgestiegen bin, weil mein Treo zum passenden Termind den Geist aufgegeben hat, warte ich auf ein entsprechendes Programm. Dank des umfangreichen APIs von Backpack hoffe ich, es ist nur eine Frage der Zeit.
Aber genug von mir, wie organisiert ihr eure Gedanken und Ideen?